Geschichte des Instituts

Das Institut für Pädagogische Psychologie kann auf eine Geschichte mit berühmten Namen deutsch-jüdischer Gründer zurückblicken.

So wurden die ersten regelmäßigen psychologischen Lehrveranstaltungen von Emil Utitz (in Rostock von 1910 - 1925) abgehalten, dessen besonderes Interesse der Ästhetik und Charakterologie gehörte. Als einer der wenigen Überlebenden wurde er später u.a. durch ein Buch über das Leben im Konzentrationslager Theresienstadt bekannt.

Als eigentliches Datum der Begründung der Psychologie an der Universität Rostock gilt das Jahr 1919, in dem David Katz, der der Berliner Schule der Gestaltpsychologie zuzurechnen ist, auf eine neugeschaffene Professur für Psychologie und Pädagogik berufen wurde. Von Anfang an bildete die pädagogisch-psychologische Ausbildung von Lehramtsstudierenden (für das Gymnasium) einen Schwerpunkt seiner Lehre. Die überaus erfolgreiche Lehr- und Forschungstätigkeit u.a. mit Arbeiten zum Aufbau der Farb- und Tastwelt des Menschen, zur Didaktik und Kinderpsychologie und zur Tierpsychologie wurde 1933 durch den nazionalsozialistischen Staat mit der Entlassung beendet. David Katz konnte über England nach Schweden emigrieren und wurde zum Begründer der Psychologie an der Universität Stockholm.

Nach dem 2.Weltkrieg kam es erst ab 1958 zu einer kontinuierlichen Arbeit in Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Pädagogischen Psychologie, die von Heinz Grassel (aus Halle kommend) bis zu seinem Tode im Jahr 1981 geleistet wurde. In dieser Zeit erlebte das Institut eine beträchtliche Stabilisierung und Ausweitung mit Forschungsschwerpunkten wie Sexualerziehung in Schule und Familie sowie der Persönlichkeit des Lehrers und seinem Belastungserleben im Beruf.

Lehre und Forschung im Institut erweiterten sich mit dem Beginn der Ausbildung von Lehrern für Sonderschulen im Jahr 1978 um sonderpädagogische und klinisch-psychologische Themenbereiche, was auch einen personellen Ausbau mit der Schaffung einer Dozentur und ab 1983 einer Professur für Rehabilitationspädagogische Psychologie (seit 1993 Pädagogische und Heilpädagogische Psychologie) zur Folge hatte. Auf diese wurde Erich Kurth (vorher Bereich klinische Psychologie der Klinik für Kinder-Neuropsychiatrie) berufen, der diese Professur bis 1999 inne hatte.

Mit der politischen Wende des Jahres 1989 nahm der Kreis wissenschaftlicher Kontaktbeziehungen in erheblichem Umfang zu. So wurden in jedem Semester Gastvorlesungen von bekannten Wissenschaftlern deutscher und ausländischer Universitäten, wie z. B. aus Aachen, Frankfurt, Kiel, Oldenburg, Hamburg, Mainz, Heidelberg, Hannover, Berlin, Dortmund und Marburg organisiert. Prominenteste ausländische Redner waren wohl neben Gästen aus Schweden und Österreich Prof. Kanfer von der Universität Minnesota und Prof. Benyamini von der Universität Jerusalem.

Die ersten Tagungen an der Universität Rostock, die auf den Gebieten der Sonderpädagogik bzw. der Schulpsychologie tätige psychologische Wissenschaftler aus alten und neuen Bundesländern vereinten, fanden 1992 und 1995 statt. 1993 wurde eine zweite Professur für Pädagogische Psychologie eingerichtet, die von Egon Köster (vorher PH Neubrandenburg) bis 1999 insbesondere im Schwerpunkt Sozialpsychologie ausgebaut wurde.

Heute bestehen vielfältige Beziehungen zu deutschen und, vor allem im Rahmen der Hochbegabungsforschung, internationalen Forschungseinrichtungen. Diese Beziehungen schlagen sich regelmäßig auch in gemeinsamen Projekten und Publikationen mit Fachkollegen aus der ganzen Welt nieder.

Zur Gestaltung, Organisation und Durchführung der Aufgaben in Lehre, Studium und Forschung sind dem Institut heute 4 Stellen im wissenschaftlichen Bereich zugewiesen. Dazu kommen 2 1/2 befristete Stellen aus Mitteln des Hochschulpakts zur Abpufferung von aktuellen Engpässen in der Lehre. Alle Lehrenden stehen Studienanfängern und Studierenden, aber auch allen an der (Pädagogischen) Psychologie Interessierten selbstverständlich für Beratung zur Verfügung.

Von 1991 - 1994 verfügte das Institut mit Hilfe zusätzlicher Mittel auch über eine Erziehungsberatungsstelle, die zahlreichen Eltern und Kindern bei schwierigen Lern- und Verhaltensproblemen helfen konnte. Auch nach Ende des Projekts boten die hauptamtlichen Mitarbeiter des Instituts Beratung in begabungspsychologischen Fragen an, wobei Fragen der Hochbegabung dominierten, da hierfür sonst kaum Beratungsstellen zur Verfügung stehen. Diese Tätigkeiten mündeten in das Odysseus-Projekt. Von Herbst 2001 bis Frühjahr 2014 bestand im Rahmen des Odysseus-Projekts wieder eine Beratungsstelle, in der eine hauptamtliche Kraft für die Beratung von Eltern, Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stand.